BERGE

1997
Verschiedene Formate auf Papier und Holz
Acryl

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AURA

1997
Acryl auf Nessel
200 x 70 cm
bzw.
50 x 100 cm

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Der Anblick der «reinen» Natur erweckt in den meisten Menschen längst verloren gegangene Empfindungen von Harmonie und Einheit mit einem «großen, sinnerfüllten Ganzen». Der Betrachter der einer industrialisierten und hochtechnisierten Welt enstammt, empfindet sich wahrscheinlich nur noch als Zuschauer, als jemand, der staunend «davor» steht; der sich nach Harmonie und einer vermeintlichen Ursprünglichkeit sehnt.

Die Bergpanoramen in ihrem überzogenen Breitwandformat strahlen eine solche Illusion von Harmonie aus; auch von Größe und beruhigender Erhabenheit. Gleichzeitig behalten sie jedoch eine Ehrfurcht einflößende Fremdheit und Undurchschaubarkeit.

Das ist ihre Aura.

KUNSTFILTER

2001/02
Acryl auf Nessel

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Heitere Himmel.
(
von Ingo Schauermann, Kunsthistoriker M.A., Gießen, 2003)

Ende des Jahres 2001 begann Verena Lettmayer aus heiterem Himmel heitere Himmel zu malen. Es entstanden drei großformatige Landschaftsbilder, die Fjorde Islands zeigen. Wenn zu Beginn des dritten Milleniums noch immer Natur gemalt wird, ja überhaupt noch gemalt wird, so stellt sich die Frage, wie das vonstatten gehen kann. Angesichts der immensen Bilderwelten des Fernsehens und des Internets scheint sich ein einzelnes Gemälde zu verlieren. Warum aber wurden gerade die abseits des Weltgeschehens liegenden Fjorde gemalt? Auslöser für diese Motive war der Atelieraufenthalt Lettmayers in Reykjavik im Frühjahr 2001.

Erinnerungsfotografien, die sie vor Ort gemacht hatte, bearbeitete sie nach ihrer Rückkehr in ihrem Atelier am Computer mit der Kunstfilter-Anwendung aus dem Photoshop-Programm. Die zentralen Farbzonen des Bildes werden dabei mit Profillinien umrandet, wodurch ein Ausmalbild entsteht, ähnlich dem Malen-nach-Zahlen-Prinzip. Auf Folie ausgedruckt ließ sich die Vorlage auf Leinwand projezieren, wo sie Verena Lettmayer mit Acrylfarbe nachmalte. Das Verlaufen der recht flüssigen Farben versuchte sie nicht zu unterbinden, ja sie setzte es bewußt ein, denn gerade diese Eigenschaft der von ihr verwendeten Farben wollte sie hervorheben. Lettmayer malt ihr Naturerleben im Atelier, denn das vielleicht nur 1/125 Sekunden dauernde Auslösen der Kamera wurde ihrem Erlebnis nicht gerecht.

1999 verfolgten unzählige Menschen das seltene Ereignis einer totalen Sonnenfinsternis in Deutschland zuhause an den Bildschirmen. Aus Angst vor den Lichtstrahlen der Sonnenkorona schauten sie nicht aus ihrem Fenster, sondern verfolgten am Fernseher neben dem Fenster die sichere Live-Übertragung. Das nahe Naturschauspiel wurde so von vielen gar über einen Satelittenempfänger &Mac226;erlebt’, wodurch sie zu wahren Fernsehern wurden. Verena Lettmayer hatte keine Angst Natur zu erleben, zu malen und dabei auch noch auf Technik zurückzugreifen. Während ihres Aufenthaltes in Reykjavik nahm sie an einer Gruppenausstellung im Gula Husid teil. Dort fotografierte sie ihr vertraute Menschen, die – zurück im Atelier – ebenfalls dem Prozeß des Kunstfilterns unterworfen wurden. Es entstand das Gemälde Gula Husid, was ins deutsche übersetzt nichts anderes bedeutet als Gelbes Haus, wobei das bekanntere gelbe Haus innerhalb der Kunstgeschichte in Arles von van Gogh und Gauguin bewohnt wurde, in jener von Sonnenblumen und Absinth bestimmten Zeit. Solche Parallelen haben nichts mit Lettmayers Bild zu tun, denn es sind ihre individuellen Erinnerungen und Eindrücke, die im Gula Husid Gestalt angenommen haben.

Am Beginn der Arbeit an den vier angesprochenen Gemälden steht jeweils eine Fotografie aus Island. Fjorde und Freunde. Der kurze Moment des Auslösens der Kamera konserviert den längeren Zeitraum des Erlebens. Über den Zwischenschritt des Kunstfilters entstehen Gemälde auf Leinwand. Das Nachmalen wird so zu einen Nacherleben. Zeitgenössische Malerei, hierbei insbesondere Landschaftsmalerei, erfordert nicht den Einsatz moderner Technik. Er verbietet sich aber auch nicht und sein bewußter Einsatz läßt umso mehr über Naturwahrnehmung in unserer Zeit nachdenken. So ist es letztendlich doch nicht verwunderlich, daß die Menschen gar nicht sehen wollen, wie das ist, wenn die Sonne nicht mehr scheint. Für die Isländer ist das Nichtscheinen der Sonne im Winter eine natürliche Erscheinung, die den Himmel im Frühling umso heiterer wirken lassen

Ferne Frauen.

Nach der vierfachen erfolgreichen Anwendung des Kunstfilters auf Islandfotografien suchte Verena Lettmayer im Frühjahr 2002 nach neuen Vorlagen für ihre Gemälde. Hatte sie sich zunächst ihres persönlichen Bilderbestandes bedient, so suchte sie nun im Internet. Sie wählte zwei Vorlagen aus, die sie filtern und malen wollte. Zwei Bilder aus dem Internet erscheinen wie zwei Sandkörner aus der Sahara. Diese zwei herauszulesen macht sie zu etwas besonderem. Oder sie sind von sich aus etwas besonderes. Verena Lettmayer filterte für sich das Internet und entschied sich für das Filmplakat zu Lara Croft und für ein Filmstill aus Basic Instinct. Sie wollte allgemeinbekanntes darstellen, denn bei den beiden Hauptdarstellerinnen Angelina Jolie und Sharon Stone handelt es sich wahrlich nicht um unbekannte Sandkörner. Ferne Filmstars aus Hollywood weckten Lettmayers Interesse. Es entstanden die Gemälde Angelina und Sharon + Leilani. Die Titel bestehen aus den Vornamen der jeweiligen Schauspielerinnen und verweisen nicht auf die Filmfiguren. 2001 wurden die Abenteuer der Lara Croft, der Heldin aus dem Computerspiel Tomb Raider, verfilmt. Angelina Jolie ist die brustbetonte Transformation Lara Crofts ins Dreidimensionale und entsprechend wurde sie auch auf dem Plakat zum Film präsentiert. Im Internet wurde Angelina in Pixel zerlegt. So von Verena aufgefunden wurde sie von ihr mit dem Kunstfilter und Farbpigmenten in ein Gemälde überführt. Angelina durchläuft verschiedene Aggregatszustände und endet auf der Leinwand.

Hingegen entspringt das Filmstill aus Basic Instinct einer Leinwand, denn es ist letztendlich nichts anderes als die Momentaufnahme einer Projektion in einem Kino. Hier verliefen die Aggregatsveränderungen von Leinwand zu Leinwand über die Stationen Projektion, Pixel, Projektion und Pigment. Lettmayer fixierte eine Szene aus einem mittlerweile über zehn Jahre altem Film. Basic Instinct entstand 1991. Das gemalte Filmstill, seinem Kontext entrissen, wurde hier anders als im Kino dauerhaft auf die Leinwand gebannt. Was sich im Filmverlauf verliert, ist in diesem Standbild irritierend. Greift Sharon (Stone) ihrer Partnerin Leilani (Sarelle) an die Brust oder nicht? Es bleibt offen.

Sharon + Leilani ist in Grau- und Grüntönen gemalt, wodurch eine nächtliche Szene suggeriert wird, die ähnlich wie eine Nachtfotografie wirkt, die nicht mit einem Blitzgerät oder zusätzlicher Beleuchtung aufgehellt worden ist. Lettmayers Bild spielt mit der Suggestion eines anderen Mediums, aber es ist das, was es ist: ein Gemälde. Malerei als Momentaufnahme. Wenn ein Spielfilm mit Normallänge aus über 100 000 Einzelbildern, also einer entsprechend potentiellen Anzahl von Filmstills besteht, dann verliert sich auch hier das Sandkorn im Sandkasten. Kinder spielen oft mit einem Küchensieb im Sand und das, was sie herausfiltern wird zu etwas besonderem. Das ist ihre Art die Welt zu begreifen. Die Erwachsenen versuchen sich hingegen als uomo universale, um die ganze Welt zu begreifen. Vielleicht bedarf es gerade da den Künstlern, ja vielmehr der Künstlerin, die das Augenmerk auf Details der Welt lenkt, denn Kunstfiltern ist Weltfiltern und Pixel sind auch nur Sandkörner.

SUPERSONIC

Serie von Action-Heldinnen

2004
Acryl auf Nessel